Vom 20. bis 26. April 2026 wird Mailand erneut zur globalen Designmetropole. Doch in diesem Jahr rückt nicht nur das Neueste aus Produktdesign und Installationen in den Fokus. Überall in der Stadt öffnen historische Gebäude ihre Türen und bieten euch die Möglichkeit, Mailands vielschichtiges architektonisches Erbe während der Designwoche neu zu entdecken.
Historische Orte rücken ins Zentrum
Ein Höhepunkt der Ausgabe 2026 ist die Wiedereröffnung des Hauptsitzes der Fondazione OAMi in der Via Solferino. Die Stiftung, 1998 vom Mailänder Architektenorden gegründet, fördert den Dialog über Stadtkultur. Nach mehrjähriger Pause während der Designwoche meldet sie sich nun mit einer Ausstellung zurück, deren Inhalte per Open Call ausgewählt wurden.
Präsident Jacopo Muzio bezeichnet die Aktion als eine „Rückkehr in die Zukunft“. Er schlägt die Brücke von Mailands bürgerlicher Geschichte zu aktuellen urbanen Herausforderungen. Drei Räume mit insgesamt rund 70 Quadratmetern geben Einblick in Projekte rund um Wohnen, Inklusion, Klimaresilienz und Denkmalschutz. Damit spiegeln die Themen den zunehmenden Druck wider, dem viele europäische Städte heute ausgesetzt sind.
Ein weiteres Highlight: die Villa Pestarini, entworfen von Franco Albini Ende der 1930er-Jahre. Das Haus wurde einst in der Domus vorgestellt, war aber bislang kaum öffentlich zugänglich. Mit ihren Glasbausteinen, der Marmortreppe und maßgefertigten Möbeln verkörpert die Villa Albinis rationalistische Entwurfshaltung auf besonders klare, zurückhaltende Weise.
Alcova erobert verborgene Räume
Auch die experimentelle Designplattform Alcova verstärkt diese Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart. Zur elften Ausgabe zieht sie unter anderem in die Villa Pestarini und das ehemalige Ospedale Militare di Baggio ein. Der lange Zeit verschlossene Militärkomplex öffnet dabei erstmals die Kirche San Martino, das Pfarrhaus und das historische Archiv für Besucherinnen und Besucher.
An diesem Ort treffen verwilderte Innenhöfe auf strenge Zweckbauten. Die Organisatoren betonen, dass genau solche Kontraste den urbanen Wandel Mailands widerspiegeln. Zahlen des Politecnico di Milano zeigen: In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl adaptiver Re-Use-Projekte in Italien stetig gestiegen – ein Zeichen für den europaweiten Trend zur Nachhaltigkeit.
Indem Alcova vergessene Orte neu belebt, zeigt sie: Architektur ist mehr als ein Denkmal – sie bleibt ein fortlaufender Prozess. Gerade für euch, die ihr Wert auf behutsame Denkmalpflege legt, funktioniert Mailand als inspirierendes Vorbild: Historisches zu erhalten und dennoch mutig neu zu denken, schließt sich hier nicht aus.