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In Nürnbergs Südstadt fängt es an. Barrierefrei durch Technik und Semantik.
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Straßenbahn Pillenreuther Straße: Der beste der möglichen Kompromisse

Bild Straßenbahn Pillenreuther Straße: Der beste der möglichen Kompromisse Zukünftige Straßenbahnführung durch die Pillenreuther Straße
Bild: VAG

"Eine Linie ins Umland zu planen, ist relativ einfach. Die Verkehrsplanung im innerstädtischen Bereich ist jedoch immer ein Kompromiss. Man muss sich an einem Umfeld orientieren, das man kaum verändern kann. Die Führung einer Straßenbahnlinie über den Bahnhofsplatz und durch die Pillenreuther Straße war der Beste der möglichen Kompromisse", sagt John Borchers, Leiter der VAG-Angebotsplanung.
Die Straßenbahnlinie 9 wird im Jahr 2011 verkürzt und fährt auf dem Bahnhofsplatz durch die Schleife. Ein Teil der Schleife (Bahnsteig C) wird barrierefrei ausgebaut. Die VAG hätte gerne auch Teile der Bahnsteige A und B barrierefrei gestaltet und Bahnsteig C gegenüber der Parkhauseinfahrt verbreitert, erhielt dafür aber keine Genehmigung. Die große Umgestaltung des Bahnhofsplatzes, wann immer sie kommen mag, muss abgewartet werden.
Der enge Bahnhofsplatz ist neben dem Plärrer der zweite zentrale Verteiler für Autoverkehr und Straßenbahn. "Der Betrieb von drei stark frequentierten Straßenbahnlinien muss so organisiert werden, dass die Schleife auch bei Verspätungen nicht zum Engpass wird, indem der eigentlich nachfolgende Zug den vorherigen blockiert", so Borchers. "Wir haben auch den Bau eines Überholgleises geprüft und wegen Platzmangels verworfen". Die Linie 5 wird also künftig nicht mehr in die Schleife fahren, sondern durch die Pillenreuther Straße weiter bis Worzeldorfer Straße.
Zudem erwähnt Borchers, dass allein durch die Linienverknüpfungen, die mit der Neubaustrecke möglich werden, zwei Züge eingespart werden. Das trägt zur Refinanzierung der Baukosten bei.
[Aktualisierung 2011: Baubeginn in der Pillenreuther Straße Nord ist am 28.02.2011. Die Umleitung des Straßenverkehrs läuft anders als 2010. Hier finden Sie den Plan als PDF (3,7 MB).]

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Florian Gräf, Projektleiter für das gesamte Bauvorhaben Pillenreuther Straße Nord, berichtet, dass die Sperrung des Celtistunnels ursprünglich anders geplant war. "Wir wollten keine Umleitung über die Allersberger Straße. Aber bei einer Notfallsperrung wegen eines Gaslecks im Frühjahr 2009 machte die N-ERGIE so schlechte Erfahrungen mit dem einspurigen Gegenverkehr auf einer Tunnelseite, dass diese Verkehrsführung zu riskant wurde."

Während der Bauarbeiten der N-ERGIE im Jahr 2010 ist die nördliche Pillenreuther Straße meist einseitig gesperrt. Dabei wird immer eine Auto-Zufahrt zu den Quartieren beidseits offen gehalten.

Im Jahr 2011 wird abschnittsweise wechselseitig gesperrt. "Wir müssen buchstäblich jeden Quadratmeter Asphalt anfassen", so Gräf. "Aber wir werden auch dann jeweils eine Zufahrt zu den Quartieren sicherstellen. Es wird allerdings weniger Parkmöglichkeiten am Straßenrand geben."

Ist der Autoverkehr durch die Pillenreuther Straße eher Durchfahrtsverkehr vom und zum Altstadtring oder Zufahrtsverkehr zu den Läden und Wohnquartieren? Südstadtportal schätzt aus Beobachtungen den Anteil des Durchfahrtverkehrs auf über 90 Prozent. "Darüber gibt es keine Zahlen und spekulieren will ich nicht", meint Gräf.

Die Gewerbebetriebe im Umfeld der Baustelle sind besorgt, dass ihnen durch die teilweise Sperrung ein massiver Umsatzverlust entsteht. Es gibt Erfahrungen aus einer Baumaßnahme in der Wölckernstraße, während der in den Medien dazu aufgefordert wurde, die Südstadt großräumig zu umfahren. Im März 2010 sah die größte Boulevardzeitung Deutschlands "die Südstadt abgeschnitten", weil der Autoverkehr durch die nördliche Pillenreuther Straße statt vierspurig nur noch zweispurig möglich ist.

"Natürlich gibt es bei jeder Baumaßnahme Beeinträchtigungen. Um die so gering wie möglich zu halten und Konflikte zu lösen, bleiben wir mit den Anwohnern in Kontakt. Ich bin vor Beginn der zweiten Bauphase im März 2010 in jedes Geschäft gegangen und habe mit den Besitzern gesprochen. Wenn es Probleme gibt, können sich die Betroffenen auch unter der Rufnummer 0911 2834247 direkt an mich wenden" verspricht Gräf.

Auch im Internet kann man sich über die anliegenden Bauphasen informieren: http://www.vag.de/Strassenbahnbau/id916/Strassenbahnneubaustrecke-in-der-noerdlichen-Pillenreuther-Strasse.html

Nachtrag: Dieser Artikel hat nur noch dokumentarischen Wert. Am 23. Mai 2011 begann eine neue Bauphase, die zum Fahrplanwechsel 11. Dezember 2011 mit der neuen Streckenführung der Linien 5 und 8 abgeschlossen wurde. Während des Baues ist der Verkehr nie zum Erliegen gekommen. Die Anwohner konnten immer mit dem Auto ihre Quartiere erreichen. Geschäfte mit Lieferverkehr blieben erreichbar. Und kein Einzelhändler hat wegen des Straßenbahnbaues Pleite gemacht.

Stand: 11.02.2011
Autorin/Autor: Eberhard Schneider

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