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In Nürnbergs Südstadt fängt es an. Barrierefrei durch Technik und Semantik.
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BID (Business Improvement Districts) - Modell für Teile der Südstadt?

Bild BID (Business Improvement Districts) - Modell für Teile der Südstadt? Südstadt Nürnberg, Ecke Allersberger Straße/Wölckernstraße
Foto: Eberhard Schneider

"Privatinitiativen für's Einkaufsviertel" hieß der Vortrag, mit dem der Soziologe Frank Heinze aus Dortmund ein in Deutschland wenig verbreitetes Kooperationsmodell für die Wiederbelebung von guten Einkaufslagen vorstellte.
Abweichend von anderen Modellen der Stadtteilsanierung werden bei "das Geschäftsumfeld verbessernden Vierteln" die Hausbesitzer von Anfang in den Verbesserungsprozess einbezogen. Sie finanzieren ihn auch im wesentlichen, was durchaus im Eigeninteresse liegt. Niemand kann am Preisverfall seiner Immobilie interessiert sein.
Eine Besonderheit von BID ist, dass Schweigen Zustimmung bedeutet. Allerdings erfolgt im Vorfeld der Maßnahmen eine intensive Kommunikation durch Profis. Niemand wird übergangen. "Mit jedem Einzelnen muss gesprochen werden, meist mehrfach. Oft sind die ersten Gesprächspartner nicht die wirklichen Entscheider", so Frank Heinze.

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Die Idee des BID kommt aus USA und Kanada. Erfolgreiche Projekte gibt es in Toronto, Santa Monica und 64 Mal in New York. In Hamburg und Gießen sind mehrere Projekte erfolgreich, darunter das sehr teure Projekt Hamburg Neuer Wall. Deutsche Projekte werden allerdings unterstützt durch Landesgesetze, die die rechtliche Grundlage schaffen. In Bayern gibt es noch kein solches Gesetz.

Die Problemgebiete sind frühere gute Einkaufslagen in Stadtzentren und Nebenzentren. Die Problemursachen sind verschieden.

  • Die Verkaufsfläche hat sich in Deutschland zwischen 1980 und 2010 verdoppelt.
  • Der Bau großer Einkaufszentren führt zur Konsumverlagerung.
  • Filialisierung, große Fachmärkte und die Aufweichung von Branchengrenzen führen zum Rückgang traditioneller Fachgeschäfte.

Händler müssen aufgeben und das Einkaufsquartier bewegt sich in die Spirale des "Downtrading".

Ideen hinter den BID:

  • Erobern kann man alleine, verteidigen nur gemeinsam.
  • Man kann vom Problemverursacher, den großen Shopping-Zentren, lernen.
  • Der Erfolg liegt in der Verbindlichkeit der Zusammenarbeit, einer verlässlichen Kooperation.
  • Die Organisation muss professionell sein.

Voraussetzungen sind die Identifikation von Handel und Verbrauchern mit einem Quartier ("Dort, wo die schönen Geschäfte sind") und ein hohes Sicherheits- und Sauberkeitsverständnis.

BID-Projekte bearbeiten reine Konzeptentwicklung wie in Hamburg Bergedorf, Werbegemeinschaften wie in Elmshorn, rein bauliche Veränderungen wie in Flensburg oder einen Mix aus den drei Ansätzen.

Ein BID-Projekt beginnt mit einem professionell unterstützten Handlungsprogramm mit Planung der Gestaltung und Planung von Events. Zu einer ersten Information über das Projekt werden alle betroffenen Hausbesitzer eingeladen. Als Faustregel hat sich bewährt: Wenn weniger als 25% dagegen sind, kann man es machen. Darauf folgen intensive Einzelgespräche. Für die Berechnung einer Kostenumlage wird der Einheitswert zu Grunde gelegt. Beschlossen wird eine Selbstverpflichtung auf 5 Jahre. Nach dieser Zeit kommt das gesamte Projekt auf den Prüfstand. Erfahrungswerte von Frank Heinze: Die Mobilisierung dauert drei bis sechs Monate, das Konzept sechs bis zwölf Monate.

Frage von Südstadtportal: "Bis zu welchem Grad des Niedergangs greift denn BID in einem Stadtviertel noch?" Antwort von Frank Heinze: "Bis Pflegestufe eins, eventuell zwei. Danach helfen nur noch Maßnahmen der öffentlichen Hand."
Nun stellt sich die Frage an die Akteure in unserem Stadtteil. Welche "Pflegestufe" haben welche Teile der Südstadt?

Die Veranstaltung "Privatinitiativen für's Einkaufsviertel" wurde moderiert von Arif Tasdelen und fand statt am 05.10.2010 im Wöhrdersee Hotel Mercure im Rahmen der Reihe neu-N der SPD-Stadtratsfraktion zu Themen der Stadtentwicklung.

Stand: 18.12.2010
Autorin/Autor: Eberhard Schneider

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